Der Wandel des Bildes von Menschen mit Unterstützungsbedarf

22.09.2021 von 10:00 - 16:30 in Linz Ursulinenhof

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Anlässlich 20 Jahre Persönliche Assistenz in Oberösterreich präsentiert die Persönliche Assistenz GmbH gemeinsam mit dem Sozialressort des Landes Oberösterreich eine Fachtagung zum Verhältnis der Gesellschaft zu ihren Mitgliedern mit Unterstützungsbedarf im Wandel der letzten zwei Jahrzehnte mit Betrachtungen aus verschiedenen Perspektiven. In den Vorträgen wird das Erreichte sichtbar gemacht und gewürdigt, auf das Nicht-Erreichte hingewiesen und die Gegenwart kritisch betrachtet. Von den Fortschritten sind viele nicht als gegeben und selbstverständlich anzusehen. Nicht wenige Errungenschaften sind fragil, kaum etabliert und bedroht, wieder verloren zu gehen.

Moderation: Mag.a Renata Schmidtkunz (Ö1 - ORF)

Soziallandesrätin Birgit Gerstofer

Das Land Oberösterreich ist seit Beginn an Kostenträger der Persönlichen Assistenz und am thematisierten Wandel wesentlich beteiligt. Die Politik unterliegt den gesellschaftlichen Diskursen und dem Spiel der politischen Kräfte. In diesem Rahmen hat sie Einfluss, Gestaltungsmacht und Verantwortung.

Prof. Dr. Peter Pantuček-Eisenbacher

Diplomsozialarbeiter, Soziologe und Supervisor, ist Rektor und Geschäftsführer der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten. Forschungs-, Fortbildungs- und Publikationstätigkeit zur Theorie und Methodik der Sozialen Arbeit mit den Schwerpunkten Theorie der Sozialarbeit und Soziale Diagnostik.

In allen Feldern der sozialen Arbeit ist ein Wandel in der Wahrnehmung des Hilfesuchenden erkennbar. Die Identität der Klienten, der Ratsuchenden, der Patienten, der Schuldner, der Süchtigen, der Armen, der Obdachlosen usw. hat sich verändert, wie die Angebote der Sozialdienstleister. Aus Bittstellern sind Bürger mit Rechten geworden. Das Machtgefälle wurde reduziert. Die „helfende Beziehung“ auf Augenhöhe ausgewogen. Ideal und Wirklichkeit sind aber noch weit auseinander.

Prof. Mag. Dr. Oliver Marchart

Universität Wien, Doppelhabilitation für Philosophie und Soziologie (Universität Luzern), Politische Theorie, Gesellschaftstheorie, Demokratietheorie, politische Ideengeschichte, Soziale Bewegungsforschung, politische Diskursanalyse

Was motiviert den Menschen einen anderen zu unterstützen, eigene Ressourcen zu geben? Ist Empathie, Mitgefühl, vielleicht sogar Mitleid eine Quelle, ein Ursprung heutiger Sozialsysteme, oder steht eher ein Kalkül, eine Strategie dahinter? Welche Rolle spielen moralische Ansprüche zur Hilfeleistung? Welche Interessen verfolgt eine Gesellschaft, soziale Angebote zu etablieren? Welche Entwicklungen des Sozialen lassen sich beobachten, insbesondere seit der Jahrtausendwende. Welche Diskurse sind derzeit zu erkennen? Welche Problemlagen können aktuell verortet werden? Wo steht der Mensch mit Unterstützungsbedarf in unserer Gesellschaft?

Birgit Birnbacher, BA, MA

Schriftstellerin (Ingeborg Bachmann Preis 2019), studierte Soziologie (Universität Salzburg) und "Innovationsentwicklung im Social Profit Sektor" (Fachhochschule Salzburg), ist Dipl. Sozialfachbetreuerin (Schwerpunkt Behindertenarbeit) und arbeitete 9 Jahre mit Menschen mit Beeinträchtigungen in den Bereichen Wohnen und Arbeit, sowie 3 Jahre in der Persönlichen Assistenz ausführend und 1 Jahr koordinierend. Mehrere Aufenthalte zur Freiwilligenarbeit z.B. in Addis Abeba, Äthiopien; Bhopal, Indien. Zuletzt als Soziologin in der Gemeinwesenarbeit (Stadtteil & Quartiersarbeit) tätig.

Am Beispiel des Schlüssels: Versuch über drei Türen. Als Schriftstellerin und Soziologin beschäftigt mich die Beschaffenheit der Gegenwartskultur, sprachlich und beruflich. Irgendwann wurde beides zu einem: Die Sprache zum Beruf. Mit den Mitteln der Sprache befrage ich meine eigene berufliche Laufbahn: Warum habe ich mich damals von der fremdbestimmten Betreuung abgewandt? Welche Erfahrungen habe ich gemacht und was waren meine Motive für die Arbeit mit Menschen mit Unterstützungsbedarf? Welche Türen sind seither aufgegangen, welche immer noch zu und: Warum habe ich eigentlich so wenig getan, um etwas zu verbessern?

Dr. Erwin Riess

Behindertenaktivist, Schriftsteller, Politikwissenschafter, Publizist. Schreibt Stücke und Prosa. Rollstuhlfahrer, Aktivist der autonomen Behindertenbewegung, Gastprofessuren und Lektorate in London, Swansea, New York, St. Gallen, Klagenfurt. Großer Würdigungspreis des Landes NÖ 2005.

Die Disabilitiy Studies erforschen als interdisziplinäre Wissenschaftsdisziplin alle Aspekte behinderten Lebens - von der sozialen über die historische und kulturwissenschaftliche Dimension - bis hin zur Sexualität behinderter Menschen. Diskriminierung und Selbstbestimmung sind die beiden Pole, um die eine inklusive Behindertenpolitik kreist. Im Vortrag werden die wichtigsten Aspekte des Themenfeldes skizziert.

 

ICH BIN O.K.

(Best Practice - Tanzcompany)
ART FOR A CHANGE.Getreu diesem Motto, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen mit und ohne Behinderung in das kulturelle Leben mit einzubinden und durch künstlerische Tätigkeit gesellschaftliche Inklusion voranzutreiben.

Mag. (FH) Tanja Elmer

Ehemalige Persönliche Assistentin und Fotografin. Sie zeigt Fotografien aus dem Projekt "Menschenbilder".

Hinweis: Induktionsanlage und Gebärdensprachdolmetsch stehen zur Verfügung

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